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Wenn große Geister schlaflos wandeln…

Das hat man nun davon, wenn jemand – zumal wenn er berühmt ist – dumme Ideen öffentlich äußert, und sei es im Scherz…

Da wird ein großer Geist – und als solchen mag man Benjamin Franklin wohl getrost bezeichnen – unerwartet in den frühen Morgenstunden seines Schlafs beraubt, findet es um sechs Uhr am Morgen bereits hell und, den Kopf noch voll der Debatte am Vorabend um die Einsparung von Energie bei der Lichterzeugung, verfasst er einen Brief an ein Pariser Journal, in welchem er, wenngleich scherzhaft, zur besseren Ausnutzung des Tageslichts zwar keine Umstellung der Uhren, wenigstens aber doch früheres Aufstehen vorschlägt.

Ben F. war damit seiner Zeit nicht nur eine Stunde, sondern volle 132 Jahre voraus. Zwar hatte der Engländer William Willet 1907 (also „nur“ 123 Jahre nach Franklin) erfolglos versucht Franklins Idee durch eine Zeitumstellung zu verwirklichen, war damals aber noch gescheitert.

Es waren – wundert uns das? – dann 1916 die Deutschen (knapp gefolgt von den Briten), die diese aus Schlaflosigkeit geborene Idee allen verordneten.

Der ökonomische Nutzen dieser Zeitschieberei ist indes mehr als zweifelhaft, die psychologischen Folgen zwar nicht unumstritten, aber vermutlich auch nicht eben positiv – eine Abschaffung aber wohl eher nicht in Sicht. Und so können wir Sommerzeitgeschädigten uns nur damit trösten, daß uns ähnlich spaßige Ideen vielleicht erspart bleiben, weil künftige Ben Franklins, wenn sie wieder einmal vor den Hühnern aus dem Bett fallen dann – genau wie wir – sommerzeitbedingt zu müde sind, um dumme Ideen wie die vom Lichtsparen zu Papier zu bringen…