Gedanken zum Internationalen Frauentag

Ist das wirklich so schwer?

Heute ist der 8. März, Internationaler Frauentag.
Gelegenheit, sich einmal wieder Gedanken darüber zu machen, wie es denn so steht, mit der Gleichberechtigung.
Was unangenehm auffällt: Ich könnte eigentlich die Texte der letzten Jahre leicht umformuliert wiederverwenden. Denn getan hat sich wenig bis gar nichts: Ein paar kosmetische Debatten um Frauenquoten in Vorständen, eine #aufschrei-Debatte, die wie üblich mit dem Hysterie-Vorwurf abgebügelt wurde (auch wenn es immerhin den Grimme-Online-Award gab – aber damit, so schien es, sollte dann bitte auch Ruhe sein) und die ansonsten mehr den Boulevard befüttert hat, als in den Köpfen etwas zu ändern.

Immer noch ist Sexismus beliebte Werbestrategie; immer noch ist es normal, dass Frauen auf Magazinen und Werbeplakaten „gephotoshopt“ werden; immer noch lohnt es sich offenbar für die privaten Fernsehsender, unübersehbar frauenfeindliche Formate wie „Catch the millionaire“ (Pro7) oder „Der Bachelor“ (RTL) zu produzieren. Dabei ist es im Übrigen auch egal, ob die Shows bis in die kleinsten Details geskriptet sind oder nicht, ob die Frauen die Show bewusst als TV-Karriere-Sprungbrett nutzen oder nicht: Die Botschaft, die vermittelt wird ist frauenfeindlich und gehört in eine moderne emanzipierte Gesellschaft nicht hinein. Punkt.

Im Falle von Formaten wie dem „Bachelor“ ist die frauenfeindliche Haltung offensichtlich. Dummerweise findet sich Sexismus und Frauenfeindlichkeit aber auch in etlichen scheinbar harmlosen Formaten: Schaut euch mal eine Reihe wie die Rosenheim Cops mit Blick auf das dort vermittelte Frauenbild an…

Weil die Medien Einfluss auf unsere Denk- und Entscheidungsmuster haben, haben sie auch eine erhöhte Verantwortung. Wenn also ein Fernsehformat ein antiquiertes und abwertendes Rollenbild vermittelt, trägt es mindestens dazu bei, die noch verharrenden alten Denkmuster zu verfestigen. Das soll jetzt nicht heißen, dass wir alle Sendungen, die uns irgendwie und irgendwo übel aufstoßen gleich absetzen müssten (wer sollte das entscheiden? und anhand welcher Kriterien?), aber einen etwas kritischeren Blick könnten wir durchaus gelegentlich gebrauchen. Im Zweifel regelt den Rest ohnehin die Quote.

Es wird immer gruseliger –
Gender-Marketing im Spielzeugland

Ein Trend, der in den letzten Jahren immer mehr um sich greift ist das Gender-Marketing der Spielwarenhersteller. Angefangen mit dem unsäglichen Lego Friends, das Christopher Pramstaller in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung vor zwei Jahren sehr zu recht als „emanzipatorischen Albtraum“ bezeichnet hat, über Überraschungseier für Mädchen zu Playmobil – rosa verpackt für Mädchen und blau verpackt, für Jungen.

Dabei sind Verpackung und Marketingkonzept mindestens ebenso problematisch wie der Inhalt: Denn während der Inhalt die überkommenen Rollenbilder vor allem für Mädchen vermittelt, verfestigt die Präsentation sie für die Jungen: In rosa verpackt und mit jedem noch so doofen Cliche beladen signalisiert es den Jungen: „Finger weg – unmännlich“.
Und darin liegt vielleicht auch eine der Erklärungen für den Stillstand in der Entwicklung der Gleichberechtigung: Während die meisten Mädchen und Frauen sich mittlerweile weitgehend von dem (patriarchalen) dualistischen Geschlechterbild gelöst haben und keinerlei Probleme damit haben, ehemals „männliche“  Dinge zu tun ohne dabei ihre Identität als Frau gefährdet zu sehen, ist das für Jungen und Männer nach wie vor problematisch. „Männlichkeit“ wird in unserer Gesellschaft nämlich immer noch vor allem durch die Abgrenzung vom „Weiblichen“ definiert. Der Druck, der dabei auf den Jungen liegt ist enorm: Während Mädchen problemlos Rollenvorbilder finden können, die nach den alten Denkmustern als „männlich“ und „weiblich“ eingestuftes Verhalten vereinen, gibt es diese Vorbilder für Jungen nicht.

Das Versagen der „Männerrechtler“

Darin liegt im Übrigen auch der der große Irrtum der meisten selbsternannten „Männerrechtler“. In Ihrer Angst vor einer „Feminisierung“ der Gesellschaft, fallen sie in die Denkmuster des Geschlechterkampfes zurück und zementieren zugleich die rein negative Bestimmung des „Männlichen“ als das „Nicht-Weibliche“. Dass sie damit den Jungen die Möglichkeit nehmen, sich von den alten Rollenbildern zu trennen, können oder wollen diese Männer nicht sehen.

Freilich sagt das auch viel über den inneren Zustand der Gesellschaft im Bezug auf Gleichberechtigung aus: Wenn Männer sich nur in Abgrenzung zur Frau bestimmen können, dann deutet das nämlich darauf, dass das „Weibliche“ nach wie vor als minderwertig, untergeordnet, zumindest aber als nicht erstrebenswert verstanden wird. Entsprechend ist es für Frauen erstrebenswert, „männliche“ Muster in ihr Selbstverständnis zu integrieren, umgekehrt für Männer aber nicht, „Weibliches“ aufzunehmen.

Es geht nur gemeinsam

Wir haben auf dem Weg zur Gleichberechtigung einiges erreicht (freilich nicht genug). Und das sollte uns vor allem hierzu befähigen: Den Weg hin zu der Vision echter Partnerschaft (Simone de Beauvoir hätte vielleicht „Geschwisterlichkeit“ gesagt) gemeinsam zu gehen. Der Feminismus ist arriviert genug, um es sich leisten zu können, den Mann nicht mehr grundsätzlich als Antagonisten zu sehen – woran wir nun gemeinsam (und mit Nachdruck) arbeiten sollten, ist den Antagonismus auf der Seite der Männer zu überwinden.

Das heißt natürlich nicht, dass es nicht nach wie vor wichtig und richtig ist, auf alle Fälle hinzuweisen, wo sich die alten Denkmuster in frauenfeindlicher Weise niederschlagen. Selbstverständlich gibt es (noch viel zu oft) Fälle, in denen Konfrontation der einzige Weg ist. Aber es sollte uns daran gelegen sein, gemeinsam an die inneren Ursachen der Ungleichheit zu gelangen. Den Weg zur Partnerschaft müssen wir, wollen wir gemeinsam ankommen, gemeinsam gehen.