einhundertundeins

Und, was machen Sie am diesjährigen Weltfrauentag? Der ist am kommenden Donnerstag, dem 08. März und ist der 101. (nach offizieller Zählung). Erinnern Sie sich noch an das letzte Jahr? Immerhin war das ja der 100. … Ist seit dem etwas geblieben von den schönen Reden?

Ich sehe einige Leser (und einige ganz wenige Leserinnen) schon wieder mit den Augen rollen: „Na und“, scheinen sie mir sagen zu wollen, „ wir leben im Jahr 2012 – das Thema ist auch hundert Jahre alt“.

Ist es das? Wirklich?

Ja, ja; wir haben einiges erreicht. Und auf dem Papier schon fast alles. Aber Papier ist bekanntlich geduldig und „fast alles“ ist nicht genug. Und ja: wir leben im Jahr 2012, einem Jahr, in dem ein Kosmetikhersteller, der in seiner PR schon immer einen Hang zum geschmacklich Fragwürdigen hatte, mit Hinweis auf den vermeintlichen „Weltuntergang“ sexistische Werbung für ein Männerdeo plakatiert („Such‘ Dir ne Stellung als Missionar“; „Feier bis die Ärztin kommt“ und Ähnliches…) und in einem gefeierten (!) Werbespot Frauen auf ihren Sexualtrieb reduziert und das Produkt gleichsam im Sinne des Märchenmotivs eines Liebestranks inszeniert (was dort – im Märchen – übrigens bei Licht betrachtet oft eher Vergewaltigungsdroge ist); einem Jahr, in dem unter einer Kanzlerin eine vom pädagogischen ebenso wie vom feministischen Standpunkt extrem fragwürdige „Betreuungsgeld“ genannte Herdprämie durchs Kabinett geistert; einem Jahr in dem ein privater Fernsehsender eine Sendung in den Äther entlässt, in dem westliche Kerle sich eine Frau aus Osteuropa suchen dürfen…

Ich könnte leider noch viele solcher Beispiele aufzählen, und das sind nur die eklatanten Fälle. Wenn ich mir, wie mir kürzlich geschehen, am Rande eines Gesprächs, das zufällig das Thema Frauentag streift, von eigentlich intelligenten Männern saudumme Witze zum Thema Frauenbewegung anhören muss; wenn mir an anderer Stelle auf meinen durch Kindererziehung durchbrochenen Lebenslauf anspielend, die Frage gestellt wird, warum das denn nicht meine Frau machen konnte, dann weiß ich, wie weit die gelebte Wahrheit von ihrer Papierform entfernt ist. Und es ärgert mich.

Nein, das Ringen um ein partnerschaftliches Miteinander ist noch lange nicht Geschichte. Und in manchen Fällen, wie jenem unsäglichen Fernsehformat oder der Deodorantwerbung kann es auch nur als Konfrontation ausgetragen werden. Wenn wir solche Auswüchse tolerieren, oder verharmlosen, dann verfestigen wir die alten Denkmuster. Der Mann, dem zum Thema Frauentag nur ein dummer Witz einfällt, ist daran im Zweifel nur durch seine Trägheit schuld: Er weiß sich noch immer im Schutz gesellschaftlicher Akzeptanz – gibt nur wieder, was zu sagen noch als ganz normal empfunden wird – und mag sich nicht damit mühen, die alten Muster zu durchbrechen. Wenn wir das ändern wollen, dann müssen wir nicht nur diesem Mann sagen, dass wir seine Kommentare unangemessen finden, sondern auch laut und offen gegen Auswüchse in Medien und Werbung Stellung beziehen. 

Einen Fernsehsender kann man boykottieren und da ein Sender in der Regel zuerst auf Quoten schaut… Und, liebe Männer, ihr glaubt doch ohnehin nicht ernsthaft, dass euch ein Deo attraktiver macht, oder? (Solange ihr dem Konzept des Waschens nicht gänzlich abgeneigt seid, tut es das nicht. Ehrlich.). Auch da muss mann (sic!) also schließlich nicht mitmachen… Bleibt vielleicht der Kerl mit der Arche … Vorschlag: Für 2013 statt der Arche eine Rakete bauen, damit zum Mond fliegen und da bleiben bis die Erkenntnis einsetzt, warum die 2012er-Kampagne daneben war.

Ach ja, wäre schon schön, wenn ich 2013 nicht mehr ganz zu viel zu meckern hätte…