Wir leben noch…

Wenn es mal so wäre, dass hier so lange Funkstille herrschte, weil es nur wenig zum Aufregen gab…

Nein. Es fehlte einfach an Zeit und Muße: Aufreger gab es genug in den letzten Monaten. Gut, es gab auch ein paar Lachnummern:

"Da gab es doch mal so eine Partei.. die mit den Punkten (obwohl es ja eher Quadrate waren – die es übrigens schon seit 2001 nicht mehr gab: war das vielleicht der Fehler, der Anfang vom Ende?) … Mensch, wie hieß die doch gleich mal… weißt schon, die Außenministerpartei … der mit den großen Ohren war doch auch dabei … na ja dann hatten sie eigentlich nur noch Fallschirmspringer, Freiheitsstatuen und Leute mit großer Klappe (nein, das wären mir jetzt zu viele Links und gegen links hat man dort ja ohnehin was 😉 ) …"

Eigentlich auch schon ein Fall über den man besser lachen als weinen sollte, ist diese Affäre um das "Häuschen" – oder besser dessen Finanzierung –  des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten. Sollte ich mich jetzt besser auf das Recht auf Satire berufen, damit hier niemand §90 StGB wittert? Wobei: kann Herr Wulff sich eigentlich selber wegen §90 … denn wenn da einer das Amt… ach, vergesst es einfach…
Man kann ja sogar irgendwie verstehen, dass es ihn nervt. Und, nein, ich lasse meinen Freunden auch kein Geld da, wenn ich zu Besuch war. Und obwohl schon Shakespeare darauf hinwies, dass es keine brilliante Idee ist, sich Geld von Freunden zu leihen, ist all das für sich genommen weder verboten noch eigentlich unmoralisch, aber … aber im Fall Wulff gibt es da eine Häufung, die nachdenklich stimmt. Und es gibt vor allem eines – und das ist es, was die ganze Affäre dann doch eher in den Bereich der Aufreger befördert: Das unsägliche Vehalten des Herrn Bundespräsidenten. Unabhängig davon, ob es nun der Versuch der Einflussnahme auf die Presse sein sollte oder nicht: Wullfs Verhalten verrät eine Einstellung, die kaum anders bezeichnet werden kann als "arrogant". Selbstherrlich und ohne einen Anflug von – in Ermangelung eines besseren nehmen wir ruhig mal ein altmodisches Wort: Anstand, verteidigt er sich (wenn man seine Scheibchenpolitik als Verteidigung bezeichnen möchte) in einer Form, die erkennen lässt, dass er keinerlei Boden mehr unter den Füßen spürt. Und das  zumindest ist ein Skandal…
Der (Staats-)Sklave, der einem Triumphator im Alten Rom die corona etrusca über das Haupt hielt, hatte ihn während des ganzen Zuges immer wieder daran zu erinnern: Respice post te, hominem te esse memento  – Sieh dich um; gedenke, dass auch du (nur) ein Mensch bist… Wäre beinahe der Überlegung wert, den Trägern der Spitzenämter in unserem Lande solche hilfreichen Geister zuzugesellen…