Archiv der Kategorie: Vermischtes

„Affirmative, Dave. I read you.“

Don’t feed the trolls. So I am writing this against my better judgement, really. But I just realised that Councillor David Silvester may have a point!

When I think back to the day I first kissed another girl: Well, it did feel like stars colliding. What if they did? Did entire solar systems blink out of existence that moment? Are we responsible for that? Did we incur the wrath of …

No, wait a moment… You almost had me there, Dave. Nice try but – really: No.
And by the way: The same part of the Scripture that you and yours love to quote against homosexuality bans eating fat (Leviticus  3:17), pork (Leviticus 11:7) – goodbye bacon and eggs – , and explicitly commands against cutting your hair or trimming your beard (Leviticus 19:27) – and judging from your photograph on the BBC’s page you’re at least guilty of the latter two sins, Mr. Silvester.

Another classic is found in Deuteronomy 23:1: „He that is wounded in the stones, or hath his privy member cut off, shall not enter into the congregation of the Lord.“ — Best pray then, you’ll never get testicular cancer…

So why are you so sure it’s gay marriage that brought down God’s wrath (allowing for a second a natural disaster can be interpreted as such – which it really can’t, that’s why we call it natural disaster) and not the poor sod who survived cancer and has the audacity to enter the Lord’s temple in defiance of said law? Or your obvious lack of beard? Or your haircut (or the PM’s –  in case it’s the head of government (pun intended) that matters)? See how quickly it gets tricky, when you use ancient religious texts to condemn others?

Ah, but what am I doing, arguing with trolls:

„Dave, this conversation can serve no purpose any more. Goodbye.“
(„I feel much better now. I really do.“)

[Quotes from Stanley Kubrick’s 2001 – A Space Odyssey and the King James Version]

Wenn große Geister schlaflos wandeln…

Das hat man nun davon, wenn jemand – zumal wenn er berühmt ist – dumme Ideen öffentlich äußert, und sei es im Scherz…

Da wird ein großer Geist – und als solchen mag man Benjamin Franklin wohl getrost bezeichnen – unerwartet in den frühen Morgenstunden seines Schlafs beraubt, findet es um sechs Uhr am Morgen bereits hell und, den Kopf noch voll der Debatte am Vorabend um die Einsparung von Energie bei der Lichterzeugung, verfasst er einen Brief an ein Pariser Journal, in welchem er, wenngleich scherzhaft, zur besseren Ausnutzung des Tageslichts zwar keine Umstellung der Uhren, wenigstens aber doch früheres Aufstehen vorschlägt.

Ben F. war damit seiner Zeit nicht nur eine Stunde, sondern volle 132 Jahre voraus. Zwar hatte der Engländer William Willet 1907 (also „nur“ 123 Jahre nach Franklin) erfolglos versucht Franklins Idee durch eine Zeitumstellung zu verwirklichen, war damals aber noch gescheitert.

Es waren – wundert uns das? – dann 1916 die Deutschen (knapp gefolgt von den Briten), die diese aus Schlaflosigkeit geborene Idee allen verordneten.

Der ökonomische Nutzen dieser Zeitschieberei ist indes mehr als zweifelhaft, die psychologischen Folgen zwar nicht unumstritten, aber vermutlich auch nicht eben positiv – eine Abschaffung aber wohl eher nicht in Sicht. Und so können wir Sommerzeitgeschädigten uns nur damit trösten, daß uns ähnlich spaßige Ideen vielleicht erspart bleiben, weil künftige Ben Franklins, wenn sie wieder einmal vor den Hühnern aus dem Bett fallen dann – genau wie wir – sommerzeitbedingt zu müde sind, um dumme Ideen wie die vom Lichtsparen zu Papier zu bringen…

Wir leben noch…

Wenn es mal so wäre, dass hier so lange Funkstille herrschte, weil es nur wenig zum Aufregen gab…

Nein. Es fehlte einfach an Zeit und Muße: Aufreger gab es genug in den letzten Monaten. Gut, es gab auch ein paar Lachnummern:

"Da gab es doch mal so eine Partei.. die mit den Punkten (obwohl es ja eher Quadrate waren – die es übrigens schon seit 2001 nicht mehr gab: war das vielleicht der Fehler, der Anfang vom Ende?) … Mensch, wie hieß die doch gleich mal… weißt schon, die Außenministerpartei … der mit den großen Ohren war doch auch dabei … na ja dann hatten sie eigentlich nur noch Fallschirmspringer, Freiheitsstatuen und Leute mit großer Klappe (nein, das wären mir jetzt zu viele Links und gegen links hat man dort ja ohnehin was 😉 ) …"

Eigentlich auch schon ein Fall über den man besser lachen als weinen sollte, ist diese Affäre um das "Häuschen" – oder besser dessen Finanzierung –  des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten. Sollte ich mich jetzt besser auf das Recht auf Satire berufen, damit hier niemand §90 StGB wittert? Wobei: kann Herr Wulff sich eigentlich selber wegen §90 … denn wenn da einer das Amt… ach, vergesst es einfach…
Man kann ja sogar irgendwie verstehen, dass es ihn nervt. Und, nein, ich lasse meinen Freunden auch kein Geld da, wenn ich zu Besuch war. Und obwohl schon Shakespeare darauf hinwies, dass es keine brilliante Idee ist, sich Geld von Freunden zu leihen, ist all das für sich genommen weder verboten noch eigentlich unmoralisch, aber … aber im Fall Wulff gibt es da eine Häufung, die nachdenklich stimmt. Und es gibt vor allem eines – und das ist es, was die ganze Affäre dann doch eher in den Bereich der Aufreger befördert: Das unsägliche Vehalten des Herrn Bundespräsidenten. Unabhängig davon, ob es nun der Versuch der Einflussnahme auf die Presse sein sollte oder nicht: Wullfs Verhalten verrät eine Einstellung, die kaum anders bezeichnet werden kann als "arrogant". Selbstherrlich und ohne einen Anflug von – in Ermangelung eines besseren nehmen wir ruhig mal ein altmodisches Wort: Anstand, verteidigt er sich (wenn man seine Scheibchenpolitik als Verteidigung bezeichnen möchte) in einer Form, die erkennen lässt, dass er keinerlei Boden mehr unter den Füßen spürt. Und das  zumindest ist ein Skandal…
Der (Staats-)Sklave, der einem Triumphator im Alten Rom die corona etrusca über das Haupt hielt, hatte ihn während des ganzen Zuges immer wieder daran zu erinnern: Respice post te, hominem te esse memento  – Sieh dich um; gedenke, dass auch du (nur) ein Mensch bist… Wäre beinahe der Überlegung wert, den Trägern der Spitzenämter in unserem Lande solche hilfreichen Geister zuzugesellen…

Strg+C, Strg+V und die Gurkentruppenverschwörung

„Das vom Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät geprüfte Material belegt eindeutig, dass die […] Dissertation in substanziellen Teilen aus Plagiaten besteht.“

Nein. Es geht diesmal nicht um den kopierenden Grafen. Mit diesen Worten wird der Vorsitzende des Promotionsausschusses, Dekan Manfred Berg, in der Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung der Universität Heidelberg zur Doktorarbeit von Frau Koch-Mehrin zitiert. Nun ist also auch Frau Koch-Mehrin der Doktortitel flöten gegangen. An sich wenig überraschend, die Informationshappen, die es in den letzten Wochen zu kosten gab, hatten schon deutlich in diese Richtung gewiesen. Und immerhin war Silvana K.-M. ja schon Mitte Mai von ihren Spitzenämtern zurückgetreten – recht bald nach Bekanntwerden der Vorwürfe um ihre Doktorarbeit. Karl-Theodor (auf dessen homepage sich übrigens nicht ein Wort zu der Affäre findet – dafür aber Geschwurbel über, Obacht:  „Verlässlichkeit und Klarheit“) hatte ja eigentlich auch ziemlich deutlich vorgemacht, wie man es nicht anstellen sollte.

Man konnte ja fast an so etwas glauben, wie Lernfähigkeit von Politikern … aber Silvana hat dann unsere Welt gleich wieder in Ordnung gebracht. Rechtliche Schritte will sie jetzt prüfen, weil – so schön dreist haben wir das nicht einmal von unserer christ-sozialen Grinsekatze Karl-Theodor serviert bekommen – der Uni ja schließlich schon seit elf Jahren bekannt gewesen sei, dass sie Mist eingereicht habe…

Ist das jetzt aus der Ecke „Ist der Ruf erst ruiniert…“ oder eher  „Geschenkt ist geschenkt, wiederhol’n ist gestohl’n“ ?… Das kenne ich noch aus dem Kindergarten … also ich meine jetzt einen richtigen Kindergarten… so mit kleinen Kindern… und so …

Oder ist das vielleicht am Ende Kalkül? Steckt vielleicht dahinter am Ende die Kanzlerin? Ja… Nun gucken Sie mal nicht so irritiert… Es ist doch ganz einfach: Der Kanzlerin gehen die Nebelkerzen aus: Guttenberg – vom Tisch; Landtagswahlen – ähm, ja … nicht so ganz nach Plan…; EHEC – fast erledigt  … und keine Sekunde zu früh, langsam wurde es ungemütlich –  und wenn man mit einer „Gurkentruppe“ arbeiten muss, ist EHEC ja gleich doppelt gefährlich … na gut, andererseits sind die vermutlich eh alle ungenießbar … aber ich schweife ab – da sehen Sie mal, wie einen so etwas mitnimmt, nicht wahr … also, wo war ich? … Nebelkerzen, richtig … Das war es also. Nix mehr mit Nebel. Schon tat sich ein kleiner Blick auf das Berliner Geschehen auf, schon war das Knirschen und Ächzen im Gebälk der Koalition bundesweit vernehmbar. Man begann zu ahnen, dass da mehr Risse im schwarz-gelben Druckbehälter sind als in Fukushima – und gerade die Sache mit dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg längst nicht so glatt läuft wie unsere geläuterte St. Angela es gerne hätte… So und nun – folgen Sie mir? – nun kommt die Silvana ins Spiel: Einen schönen neuen Aufreger – etwas für die Stammtische der Republik. Muss, wenn alles gut geht, ja auch erstmal nur reichen, bis die Fußballfrauen die Nation mit ihren Siegen vom politischen Denken abhalten… Und dann ist Sommerpause.

Was sagen Sie? Ich klinge paranoid? Schon wieder? Na, dann hat wenigstens mein Therapeut was davon. Der hat übrigens einen richtigen Doktortitel… glaub‘ ich.

„homo ebriosus“ oder „Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten…“

Seit Tagen verfolgen Deutschlands Männer den Wetterbericht wie sonst nur bei Fußball-Großereignissen, denn morgen darf es nicht in Strömen regnen … morgen ist es endlich wieder so weit: Vatertag! Eines der letzten verbliebenen Bollwerke uneingeschränkten Feierns echter, purer Männlichkeit: Echte Kerle, Natur, jede Menge Alkohol und ein … na gut: ein Bollerwagen – aber irgendwie muß man die immensen Mengen Alkohol ja schließlich befördern. Nicht auszudenken, wenn es da gießen sollte…

Tausende Männer (viele keineswegs Väter) wanken dann, anzügliche Liedchen grölend, in verschiedenen, meist fortgeschrittenen Stadien der Intoxikation durch die stadtnahe Natur – irgendwann in Zweier-, Dreier- oder gar Vierer-Konstellationen, den Arm über die Schulter des Nebenmannes gelegt, teils zur Erhaltung des eigenen Gleichgewichts (wobei die Dynamik des resultierenden Systems ein interessantes Studienobjekt abgäbe), teils um Sympathie zu bekunden: Eine echte Männerfreundschaft geht eben über den Suff. Vielleicht, weil nichts so gut zusammenschweißt, wie gemeinsam begangene Untaten oder – da das mit den Untaten ja heute nicht mehr so leicht wieder aus der Welt zu schaffen ist, wie in der guten alten Zeit unangefochtenen Männlichkeitskults – wenigstens Komplizenschaft in schlechtem Benehmen. Gelegentlich gibt es auch noch eine zünftige Schlägerei nach dem Vorbild eines bekannten gallischen Dorfes, so daß auch noch die kriegerische Tradition solcher reinen Männerveranstaltungen eine Würdigung erfährt.

Daß die Tradition der Herrenpartie jedes Jahr eine erhebliche Anzahl von Opfern fordert – das gehört eben dazu: Schließlich ist man doch ein echter Kerl.

frau kann da nur kopfschüttelnd zu- oder angewidert wegsehen, verstehen kann sie solches Verhalten eher nicht. Aber vielleicht muß sie das auch gar nicht. Als kleiner Trost, sei darauf hingewiesen, daß das Wetter in diesem Jahr auch am Tag nach Himmelfahrt gut zu sein verspricht: und da er ja, in Aussicht auf den erwarteten Kater, am Freitag vermutlich frei genommen hat, könnte frau ihn ja dann Freitag früh mal darauf hinweisen, daß der Rasen gemäht werden muß … oder der Einkauf erledigt – da könnte er auch gleich die ganzen leeren Flaschen vom Vortag mitnehmen…

„Ein anderer Vulkan“

Es ist still an Norddeutschlands Himmel. Wie im letzten Jahr beschert uns ein isländischer Feuerberg eine Pause.  Passend zur ARD-Themenwoche: „Mobilität“ bremst die Natur unsere allzu hektische Betriebsamkeit einmal wieder ein wenig aus. Diejenigen von uns, die nicht auf Flüge angewiesen zu sein glauben, mag es freuen. Die anderen können sich in – wie war doch gleich diese Wortkreation? – „Entschleunigung“ üben. Und sich gemeinsam mit den Nachrichtenmoderatoren in aller Welt freuen, dass man diesen Berg wenigstens aussprechen kann: „Grimsvötn“. „Blöder Grimsvötn“ läßt sich auch viel schöner schimpfen als: „Blöder Eyjafjallajökull“.

Wenn nun unter den Wartenden am Terminal das Gespräch auf die Ereignisse des letzten Jahres kommt, kann man es einfach halten wie derzeit die Sprecher im Rundfunk in ganz Europa, wenn sie gezwungen sind, an den Ausbruch im letzten Jahr zu erinnern: „Im vergangenen Jahr… ein anderer Vulkan“.